Montag, 9. Juli 2007

Novgorod

Am Freitag Abend sass ich gerade mit Werner und Daniel in der Kafeteria als mein Lieblingsoesterreicher Franz sich hinter uns setzte und lautstark seine voellig verqueren Ansichten kundgab. Ich hatte gerade den "St. Petersburg In Your Pocket-Guide" bei der Tagesausflugs-Seite offen und fand einfach, ich ertrage den Typen unmoeglich ein Wochenende lang! "Lass uns nach Novgorod fahren!" sagte ich zu den Maennern und so wurde ein ultraspontaner Ausflug daraus. Die Uebernachtung hat uns die zur Schule gehoerende Tourorganisatorin ausgeredet (dafuer sei Novgorod zu klein) und so entschlossen wir uns zu einem Tagesausflug. Als Werner allerdings hoerte, dass der Bus 4 Stunden pro Weg hat, klinkte er sich aus (Memme).
Also stand ich am Samstag so frueh auf wie seit 5 Wochen nicht mehr (um 6.00 Uhr morgens, ist das nicht furchtbar?) damit wir den Bus um 7.30 Uhr erwischten. Der hatte dann, entgegen aller Ankuendigungen, nur 3 Stunden.
Als erstes suchten wir den Trolleybus zum Freilichtmuseam, das etwas ausserhalb lag. War auch gar nicht so schwierig und wir platzten fast vor stolz, dass alles so gut klappte. Ich konnte sogar die Kontrolleurin bitten, uns zu sagen, wo wir aussteigen muessen. Das einzig verwirrende war, dass sie so nett war, uns noch zu sagen, in welche Richtung wir laufen muessen. Geht nach links, sagte sie, zeigte aber nach rechts. Da wir rechts auch die Tuerme eines Klosters sahen, gingen wir mal in die Richtung, was ziemlich falsch war. Naja, das ganze hat uns noch einen huebschen Strandspaziergang beschert, und schlussendlich haben wir es doch gefunden. Es hat sich total gelohnt, ein Freilichtmuseum voller alter, traditioneller Holzhaeuser, wunderschoen im Wald am See gelegen. Und halt etwas auf dem Land, wo man noch das richtige Russland sah. Bauern mit ihren Kuehen an der Leine und Babushkas, die an der Strasse Piroshkis verkauften. Wir sahen uns dann auch noch das funktionierende Maenner-Kloster an (da wir ja eh in die Richtung gelaufen waren) und da es sich als total schwierig herausstellte, in Russland Kopftuecher zu kaufen (obwohl es ungeschriebenes Gesetz ist, dass die Frauen sich in Kirchen den Kopf bedecken) musste die Kaputze meines Pullis reichen. Jetzt reichts mir dann und ich gehe doch noch mal auf den Markt, obwohl ich das letzte Mal dort aufgegeben habe, weil die Verkaeuferinnen so aufdringlich waren. ABer dieses Theater immer nervt. Natuerlich sagt niemand was wenn ein Touri ohne Kopftuch in eine Kirche geht, aber ich will es einfach nicht machen, ich finde, es hat mir Respekt zu tun, vor allem, wenn es um so etwas wie die Religion geht.
Danach fuhren wir zurueck in die Stadt, wo es den Kremel und wieder jede Menge Kirchen zu sehen gab. War aber total schoen, hat sich jede Minute gelohnt. Wir wollten noch schoen essen gehen, nur hatten wir nicht damit gerechnet, dass der 7.7.07 war... alle besseren Restaurants waren von Hochzeiten gebucht. So landeten wir in einem fuerchterlichen Kafe/Restaurant-Ding in dem es fuer wenig Geld schreckliches Essen gab. Fuers Dessert suchten wir uns ein anderes Kafe und fanden eines in eher gehobener Preisklasse... aber es hat sich gelohnt. Da gab es Bordeaux-Sorbet, sowas hatte ich vorher auch noch nie gehoert. Und es schmeckte einfach grossartig. Allein dafuer wurde ich mir fast nochmal ueberlegen, die 3 Stunden nach Novgorod zu fahren... :-)
Um 20.00 Uhr fuhr unser Bus zurueck aber erstmal kam er verspaetet und dann verbrachte der Chauffeur auch noch eine gute Viertelstunde damit, am Motor herumzuschrauben. Danach, oh Wunder, lief er wieder, und obwohl er stotterte und pfiff wie eine asthmatische Oma schafften wir es in wieder nur 3 Stunden zurueck und damit sogar noch auf eine der letzten Metros.

Die Oesterreicher gehen mir soooooooo auf den Geist, ich weiss nicht, wie ich es noch bis Samstag aushalten soll. Gestern hatten wir eine Diskussion ueber das verlangte Bildungsniveau von Gregors eventueller zukuenftiger Freundin (ich bin einfach zu hoeflich um nicht zu antworten wenn ich in ein Gespraech gezogen werde, und es bleibt mir wohl nichts anderes uebrig als mit ihnen zu Abend zu essen, das ist zum K...) und heute morgen wollte Papa Franz, nachdem ich gerade eine Viertelstunde aus dem Bett war von mir die Deklinationen von der erste, der zweite, etc erklaert haben. Ich habe ihm dann ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass ich morgens noch keine Schulstunden geben will und allgemein nicht allzu viel reden moechte, doch er hat den Wink nicht verstanden. Schlussendlich bin ich die 40 min zur
Schule gelaufen, weil ich einfach keinen Bock hatte, mit denen mit der Metro zur Schule zu fahren. Ich krieg schon wieder die Krise wenn ich ans Abendessen heute denke. Ich muss unbedingt jemanden finden, der diese Woche nochmal mit mir ins Restaurant geht, ich dreh sonst durch. "Ach, diese Spaghetti sind sooooooo toll (Spaghetti ohne Sauce, mit etwas Butter drueber), die Butter hier, die ist einfach der Hammer, ach diesen Salat hat sie ja wieder grossartig gemacht (ich war glaube ich die einzige die merkte, dass es der von Vorgestern war), und diese Marmelade (aus dem Glas)..." Aaaah, ich koennte schreien!

So, dann mache ich mich jetzt mit dem guten Vorsatz auf den Weg, nicht ohne Kopftuch nach Hause zu kommen.
Gruss, bis naechstes Mal!

1 Kommentar:

Michi We hat gesagt…

Ich sag nur: Der Franz, der kanns... Hab Geduld, bald isser weg! Gruess Michi