Freitag, 21. September 2007

Irkutsk


Auf der Wanderung im Ural. Dubiose Wege...



Cleanteam in Novosibirsk für unseren Zug...


Super Aussichten im Stolby Nationalpark


Da wurde es dann doch etwas mulmig...



Fischerhäuschen auf der Olchon-Insel im Baikalsee




Der Schamanenfelsen im Baikal, heilige Stätte der Burjaten




Sandstrände wie am Mittelmeer (oder fast) ;-)



Eine von vielen... praktisch jeder Bahnhof hat seine Nostalgiedampflok (die steht in Port Baikal)




Listwjanka





Und hier sind wir wieder!!! Mit einem Update zu den letzten zwei Wochen!

In Ekaterinburg stand ja dann noch die Wanderung im Ural an. Nachdem es die ersten 10 Minuten geregnet hat, war der Tag nachher wunderschoen. Hauptsaechlich ging es durch den Wald, ein schoener Fluss war noch da und einige dubiose russische Konstruktionen, wie gelaenderlose Bruckchen im Fels, hoch ueber dem Fluss, oder auch stark schwankende Haengebruecken zur flussueberquerung... Die eigentlichen Sehenswuerdigkeiten waren Kalksteinhoehlen, in die man hineingehen konnte. Gehoert definitiv in die Kategorie in der Schweiz streng verboten und abgeriegelt!! In Russland stellt man ein Schild davor, dass man (bei der groessten, zum Beispiel) 200 Meter hineingehen kann (aber bitte nicht weiter, denn nachher kommt ein unterirdischer See und da hat es schon Tote gegeben) und stellt sogar eine Kerze bereit... Wie trauten uns mit Taschenlampe vielleicht 50 Meter hinein, das war schon ziemlich unheimlich.

Am gleichen Abend fuhren wir weiter nach Krasnojarsk mit dem Jenissei-Zug. Der war auch wieder super, modern und gemuetlich nur die Betten waren etwas schmal. Hier hatten wir zwei Naechte und einen Tag, was meine laengste Zugfahrt bisher war. Das war wirklich ganz gemueltich, Abends einsteigen, schlafen solange man will, dann irgendwann aufstehen, ein bisschen Tee trinken, lesen, zum Fenster hinausschauen und uns von den Babuschkas verpflegen (wobei hier sogar ein Essen im Speisewagen dabei war, das erstaunlich gut war), dann irgendwann wieder schlafen... morgens waren wir dann etwas frueh (um etwa 8.00, Moskauzeit plus 4) in Krasnojarsk.

Anatoliy hat uns abgeholt, und der war alles fuer uns. Transfer, Guide, Gastfamilie... sehrsehr nett, genau wie seine Frau. Gemuetliches Zimmer, tolles Fruehstuck... und da er sein neues Auto aus Japan erst naechste Woche bekommt, kamen wir sogar noch zu einer echtrussischen Lada-Experience. Winziges Auto mit quitschendem Keilriemen und gesprungener Frontscheibe... trotzdem wollte er es uns noch anderehen. Mit dem Auto nach Vladivostok sei auch ganz lustig, die Zugtickets koennten wir ja zurueckgeben... :-)
Wie auch immer, wir sind uns einig, dass wir in DIESEM Verkehr, bestimmt NIE ein Auto lenken wuerden!!!

Am ersten Tag machte Anatoliy also eine Lada-Stadtrundfahrt mit uns. Dazu gehoerte unter anderem ein Besuch im Museum fuer den Grossen Vaterlaendischen Krieg (2. Weltkrieg in allen anderen Laendern der Erde). Wir bekamen sogar eine Fuehrung auf Englisch... auswaendig gelernt und seeeeehr patriotisch: "the mean enemies", "the brutal Germans" "the heroic Russian soldiers" etc, etc. Von Stalin sprach er hoechst respektvoll... es war direkt ein bisschen unheimlich... und ich hoffe seeeeeehr, dass er fuer deutsche Besucher eine Alternativversion auf Lager hat!!! Danach waren wir noch in einem Museum ueber Voelker und Tiere in Sibirien und dann Abendessen.
Am zweiten Tag stand der Ausflug in den Stolby-Nationalpark an. Der Stolby ist ein Waldgebiet in dem es Felsformationen aus erstarrter Lava gibt (fuer Steffi: etwa wie der Joshua-Tree Nationalpark, nur dass die Felsen glaube ich etwas hoeher und groesser sind, so zwischen 60 und 100 Meter hoch) Nach einer halben Stunde Ladafahrt und einer Stunde bergaufmarschieren durch den Wald stehen wir vor dem ersten Felsen. "We'll do a little rock climbing", grinst Anatoliy... von dem hat niemand was gesagt!!! Es stimmt allerdings, von unten sieht man gar nichts, von oben hat man grossartige Aussicht. Allerdings ginge das ganze einmal mehr in die Schweizer strengstens-verboten-oder-nur-angeseilt-Kategorie. Also unserer Meinung nach war es schon etwas gefaehrlich, wie wir da an fast senkrechten Steinen hochkletterten und ueber Abgruende sprangen. Gemaess Anatoliy faelt auch alle 2 Jahre mal jemand runter, aber "die seinen sowieso meist besoffen". Aber so ist es halt in Russland, etwas Eigenverantwortung wird erwartet und das finde ich gut so. In der Schweiz haette man da bestimmt in all die Felsen Tritte gehauen und Seile gespannt was ja wirklich scheisse aussehen wuerde. Auf alle Faelle hat es sich total gelohnt, die Aussichten waren phantastisch. Und zum Mittagessen hat uns noch ein Streifenhoernchen besucht. Das hat uns zwar den halben Kaese und die Wurst geklaut, aber es hat huebsche Fotos gegeben :-)

Am naechsten Tag wollten wir eigentlich noch eine Schifffahrt auf dem Jenissei machen, bevor um 14.00 unser Zug fuhr. Aber so schoen das Wetter waehrend der Wanderung am Vortag war, so schlecht war es an dem Tag. Es regnete und war ziemlich kuehl. Wir standen doch mal auf, doch dann meinte Anatoliy, dass bei schlechtem Wetter die Schiffe eh meist gecancellt werden und da die Stadt an sich nicht gerade viel zu bieten hatte und wir eine halbe Stunde mit dem Bus ins Zentrum haetten fahren muessen, haben wirs dann bleiben lassen und machten einen gemuetlichen Morgen im Zimmer.

Am naechsten Morgen um 9.15 (Bereits Moskau +5) kamen wir in Irkutsk an, wo wir von Tamara erwartet wurden. Sie war unser Guide die ganze Zeit hier am Baikal und spricht perfekt Deutsch. Die erste Uebernachtung hatten wir in einer Ferienwohnung (weil das Hotel voll war), das war echt super. Nur leider hat es sich kaum gelohnt, fuer nur eine Nacht. Nach kurz Duschen gab es von Tamara eine Stadtfuehrung, dann spazierten wir noch ein bisschen herum und gingen dann zeitig zurueck. Waehrend Benno nachgeschlafen hat (im Zug konnte er nicht so gut), schaute ich Night at the Museum auf russisch und fands total lustig... kann aber daran gelegen haben, dass ich nicht sooooo viel verstand :-)

Am naechsten Morgen gings um 10.00 los mit der Exkursion auf die Olchon-Insel. Leider regnete es zeitweise und war ziemlich kalt. Wir machten halt bei irgendwelchen 4000-jaehrigen Felszeichnungen und einem Aussichtsberg wo wir eigentlich picknicken wollten, aber das musste wegen dem Wind ins Auto verlegt werden. Gegen 16.00 Uhr waren wir an der Faehre, doch die fuhr erst mal nicht, was niemanden gross erstaunte. Eine uralte kleine Faehre mit, statt zwei 150PS-Motoren (Vorschrift) genau einem 70PS-Motor und Platz fuer, wenn richtig "gestapelt" wird, 13 kleine PKW's. Als sie sich dann so um 17.00 Uhr endlich gegen den Wind auf unsere Uferseite kaempfte waren einige Autos mehr da und dazu auch Busse. Unser Nissan Patrol konnte auch nicht unbedingt als "kleiner PKW" bezeichnet werden, ausserdem hatten die Matrosen nicht wirklich Lust, die auf die Faehre draengenden Autos irgendwie zu ordnen (was ihenen einen ueblen Zusammenschiss via Lautsprecher vom Kapitaen einbrachte) und so passten nur etwa 8 Autos drauf. Unser Fahrer hat sich zwar aufgeregt und wir konntens nicht wirklich verstehen, dass sie nicht besser schauen, aber hauptsache, wir waren drauf. Es stellte sich naemlich heraus, dass es die zweitlezte Faehre fuer diesen Tag sein sollte... danach war der Wind zu stark. Da mussten wohl noch einige an der Anlegestelle uebernachten!

Unsere Uebernachtung war eigentlich im Zelt gedacht, aber mit Hoffnung auf besseres Wetter drehten wir das Programm um und fuhren erst in den Hauptort Chuschir (2000 Einwohner, kein fliessend Wasser, seit 2005 Strom... naja, Teerstrassen und Benzin gibt es auf der ganzen Insel nicht) der wirklich huebsch ist, mit Holzhaeuschen (alles sind Holzhaueschen) und Kuehen die auf den Strassen spazieren. Wir uebernachteten bei Nikita, der ein kleines Feriendoerfchen hat, also so Holzhuettchen, wirklich supersuper gemuetlich, mit Ofen und alle Moebel selbst aus Holz gemacht, ueberall Schnitzereien und alles riecht nach frischem Holz, total cool. Wenn es noch warmes oder fliessendes Wasser geben wuerde, wuerde ich da direkt einziehen. So aber wusch man sich halt mit eiskaltem Wasser aus dem Baikal, was ja auch mal ein Erlebnis war. Fuer eine Ueberlebens-Reality-Show (Sternfluestern auf ZDF) ist das Dorf definitiv ungeeignet. Wir konnten nur den Kopf schuetteln als uns Tamara erzaehlten, wie sie extra die Dorflaeden ausgeraeumt haben um es fuers Fernsehen so darzustellen, als gaebe es nichts zu kaufen, und wie die armen Familien da ohne Strom und Wasser auskommen mussten... Tamara erzaehlte, dass die Familien bereits Strom hatten und jeweils Abends, nach der ganzen Show wie hart es ist, hier zu ueberleben und genug zu Essen zu bekommen, jeweils zu Nikita ins Cafe gemuetlich Abendessen gegangen seien... das Schlimme daran finde ich, dass jetzt halb Deutschland meint, die Familien seien Helden... und dass es ZDF war, die sowas inszeniert haben, nicht einmal irgendein bescheuerter Privatsender!!

Auf alle Faelle haben wir auch gemuetlich in Nikitas Cafe zu Abend gegessen (Omul, wovon ich gleich zwei gehabt habe, da Benno ja nicht so auf Fisch steht :-) ), Tee getrunken, dann gab es noch ein kleines Akkordeon-Konzert, auch Leute aus dem Dorf kamen, es wurde gesungen (ach, wie HART ist doch das Leben auf Olchon!!!) und danach gingen wir bald ins Bett. Da wir den Ofen nicht anfeuerten sondern nur die kleine Heizung brauchten, wurde es erst mal ziemlich heiss und als wir aussteckten dann recht schnell kalt... aber sonst war es wirklich gemuetlich.

Am Montag fuhren wir mit dem Gelaendewagen ueber den Nordteil der Insel. Gelaendewagen ist da wirklich noetig, die Strassen sind wie gesagt alle nicht geteert und in ziemlich ueblem Zustand. Die Landschaft ist wirklich wunderwunderschoen und obwohl ein brutal kalter Wind weht spazieren wir ein bisschen. Leider aber nicht so viel wie wenn es waermer gewesen waere. Zu Mittag grillen wir Omul ueber dem Feuer, fuer Benno gibt es aber auch noch Huehnersuppe (unser Fahrer Volodja war naemlich auch mal Koch, der macht das toll). Zu Abend essen wir wieder bei Nikita (Omul) und diesmal feuert uns Volodja den Ofen an, was total gemuetlich wird.

Am Dienstag konnten wir dann etwas ausschlafen, Tamara wollte erst nach dem Mittagessen (das gabs um 13.00 Uhr) los und so liessen wir das Fruehstuck zugunsten von ausschlafen und einem weiteren Besuch beim Schamanenkapp (nur 10min von unserer Unterkunft) sausen. Zu Mittag gab es Omul und dann fuhren wir los ueber den Suedteil der Insel zur Pyramidenbucht, wo wir unser Zelt aufstellten. Damit man es mal gemacht hat, springen Tamara und ich noch fuer zwei Minuten in den 16-graedigen Baikal... da die Maenner nicht mitmachen machen wir unser Badezeig auch nicht nass *gg* Danach meinte Tamara, wir koennten noch einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt machen, von da saehe man haeufig Robben und es sei nicht so steil, wie es aussehe... jaaaaaaaaaah.... klaaaaaar.... es wird eine ausgewachsene Bergtour und als wir oben sind sind wir voellig fertig und es sind nicht mal Robben in Sicht. Die Aussicht ist allerdings ganz huebsch... aber die Kletterei hat sich nicht gelohnt!
Also steigen wir wieder ab und essen Huehnersuppe zu Abend, dann stehen wir noch ein bisschen ums Feuer, bewundern die vielen Sterne und gehen bald schlafen.
Ich bin einfach nicht fuers campen gemacht. Ich habe gefroren, es war unbequem und ich mag es auch nicht, wenn man den Wind so um das Zelt pfeifen hoert und so... kann ich nicht ausstehen. Naja, mal eine Nacht war ganz ok.

Morgens muessen wir frueh raus (zum Glueck, ich kann es nicht erwarten aufzustehen!) um die erste Faehre zu erreichen. Und dann gibt es eine laaaaaange Fahrt nach Listwjanka mit Zwischenhalt im Talzi-Holzbaukunst-Freilichtmuseum. Listwjanka ist huebsch und klein, wir haben ein sehrsehrschoenes Zimmer und endlichendlich wieder mal warmes Wasser, ein richtiges WC und eine DUSCHE!! Wie man sowas nach nur ein paar Tagen wieder zu schaetzen weiss :-)

Gestern dann fuhren wir die alte Baikalstrecke von Port Baikal nach Sludjanka und weiter nach Irkutsk. War auch sehrsehr schoen und ist etwa die einzige Strecke in Russland, die touristisch vermarktet wird. War also ein Touristenzug (allerdings ein russischer, die ganze Fuehrung und alles gab es nur auf russisch, aber das wundert uns ja nicht mehr) der immer mal wieder Halt machte wo man aussteigen konnte und ein bisschen spazieren. Die Dame die die Sache leitete redete und redete und redete, insgesamt wahrscheinlich etwa 5 Stunden durch, wenn mans aneinanderhaengen wuerde (auch im Zug, denn von Tonband haben die Russen irgendwie noch nie was gehoert). Das Schiff von Listwjanke nach Port Baikal ging um 10.45, in Sludjanka waren wir kurz vor sieben und von da waren es noch zwei Stunden nach Irkutsk... es wurde langsam lang... Aber fahrplanmaessig muessten wir in Irkutsk um 21.15 ankommen und Tamara rechnet, dass wir sicher um 22.00 da sind... denkste!! Gleich nach dem Bahnhof Sludjanka bliebt der Zug erst mal stehen. Und steht... und steht... und steht... (gut, es kam mir entgegen, Postkarten schreiben sich einfacher in einem stehenden als in einem fahrenden Zug ;-) ) um 21.00 gehts weiter und wir sind inzwischen sowas von muede... waehrend die Leute sich aergern und versuchen irgendwelche Transporte zu irgendwelchen Doerfern ausserhalb von Irkutsk zu organisieren (weil ihnen natuerlich die Busse abgefahren sind) lassen sie im Zug Karaoke laufen... naja. Ueberfluessig zu sagen, dass niemand wirklich in der Stimmung war, zu singen...

Um 23.00 kommen wir endlich an. Wir uebernachten bei der selben Frau wie letztes Mal in Irkutsk, nur nicht in der Ferienwohnung sondern in ihrer eigenen ultraluxurioesen Wohnung (die Frau ist total reich, hat Tamara erzaehlt, und macht das nur zum Spass, weil es ihr sonst zu langweilig wuerde). Der ist es auch schon etwas spaet und es heisst nur noch "Da ist das Zimmer, da das Bad, gute Nacht, ich gehe ins Bett!" und weg ist sie.

Jetzt haben wir noch einen Tag in Irkutsk, heute Abend fahren wir nach Ulan Ude weiter, wo wir morgen frueh um 6.00 (schrecklich) immer noch Moskau +5 sind. Am Sonntag machen wir einen Ausflug zum Buddhistentempel und den Altglaeubigen und am Montag gegen 14.00 Uhr geht es weiter nach Chabarovsk. Das wird die laengste Zugstrecke, aber ich weiss nicht mehr, wann wir in Chabarovsk ankommen. Sind irgendwie 2 Tage und 2 Naechte.

Also dann, ich hoffe ich habe an alles gedacht und wir koennen uns spaetestens so um Chabarovsk herum wieder melden. Einen lieben Gruss an alle von Benno und mir, passt auf euch auf!

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