Montag, 1. Oktober 2007

Vladivostok


Vladivostok, wunderschön gelegen



Unsere Fähre RUS beim ausladen all der japanischen Autos (per Kran, da auf Passagierdeck "gestapelt")






@Moe, Marica und Eltern: Wollte euch nicht stressen mit Kommentaren, braucht ja auch nicht jedesmal einen zu schreiben :-)

Na, dann sind wir hier also in Vladivostok.

Chabarovsk war noch sehr schoen und relativ ereignislos. Wenn es auch sehr interessant war, die Business-Meetings zwischen Russen und Japanern zu beobachten *gg* 4 Herren in Anzug und mit Aktentasche, 2x Japaner, 2x Russen. Waehrend die Russen dem Vodka kraeftig zusprechen, sich aber nichts anmerken lassen, haelt sich der juengere Japaner zurueck. Der Aeltere macht tapfer mit und singt waehrend unserer Vorspeise schon traurige Japan-Heimweh-Lieder. Als dann die Hautspeise kommt, liegt er auf (nicht unter) dem Tisch. Tja, was sagte Lonely Planet? Versuchen Sie beim Vodka-Trinken nie mit Russen mitzuhalten!!

Apropos Vodka, wenn man ein paar mal mitgetrunken hat (aus Anstand, versteht sich), schmeckt er gar nicht mehr so scheusslich...

Nun ja, am 28. hiess es dann den letzten Teil der Transsib in Angriff zu nehmen, Chabarovsk-Vladivostok. Die Ueberraschung als wir unser Abteil beziehen: 4er!! Obwohl Atlas uns Doppel bestaetigt hat... wir versuchen noch was zu dealen, erst mal legal (Upgrade) aber leider sind die Doppel alle voll. Danach illegal (irgendein Typ der fuer 3000 Rubel bereit waere zu wechseln) aber bloederweise haben wir nur noch 2500 Rubel Cash. So kommt das Geschaeft nicht zustande und fuer Benno sind die Ferien gelaufen (Naja, fairerweise muss ich sagen, dass er sich bis heute fast wieder erholt hat). Also teilen wir das Abteil mit einem stinkenden und ziemlich haesslichen Russen mit groeberem Raucherhusten, der sich aber schon um 8 ins Bett verabschiedet, also halb so schlimm, und dem Militaerpolizisten Andrej. Der ist wirklich nett, redet ein bisschen mit mir, aber nicht zu viel und hilft uns mit dem Gepaeck und so. Er will sogar mit mir Karten spielen, aber wir kennen kein gemeinsames Spiel. Mal abgesehen vom Hustenanfall des anderen mitten in der Nacht (hoffentlich hat der uns nix angehaengt) war es nicht so schlimm.

Vladivostok selbst hat nicht sooo viel zu bieten, ausser eine wirklich wunderschoene Lage am Meer mit Hafen und Buchten. Am 29. spazierten wir ein bisschen rum, sahen uns das sowjetische U-Boot an und fuhren dann mit dem Funiculaire zu einem Aussichtspunkt, wo es wirklich super Aussicht hat.

Gestern war ein Tiger Watching angesagt, wobei das nicht so spektakulaer war wie es klingt. Das spektakulaerste war die Fahrweise unseres Fahrers. Wir fuhren 250km nach Spasskoje, wo es ein Wiederansiedlungsprogramm fuer Amurtiger gibt, das sogar recht erfolgreich ist. Leider fehlt das Geld an allen Ecken und enden und auch wenn 2Hektaren fuer 3 ausgewachsene Amurtiger viel zu klein ist, haben die es noch gut, im Gegensatz zu den verletzten oder verwaisten Baeren und Luchsen, die zu dem Zoologen gekommen sind. Die haben wirklich ein uebles Leben in ihren Drahtkaefigen. Anstatt dem Programm einen Orden zu verleihen, haette die UNO mal lieber ein bisschen Geld reingebuttert.
Und dann die Rueckfahrt. Verstopfte Strassen dank hunderten von der Dacha (Landhaus) heimkehrender Russen. Unser Fahrer machte das aber schlau. Zum Beispiel an der ganzen, langen Kolonne vor dem Lichtsignal auf der Linksabbiegespur vorbei (ich dachte von Anfang an, dass wir nicht links abbiegen), oder auf der aeussersten Spur der Gegenfahrbahn einem Krankenwagen mit Blaulicht hinterher (zumindest bis zur naechsten Verkehrskontrolle, die er gerade noch frueh genug entdeckte) oder er eroeffnete sich selbst rechts im Dreck neben der Fahrbahn eine dritte Spur. Und so kamen wir irgendwie recht schnell durch den ganzen Stau...

Heute morgen mussten wir erst mal bei der Faehrengesellschaft vorbei um unsere Paesse und Visas kopieren zu lassen und damit unsere Tickets zu validieren. Und bekamen noch ein letztes mal den richtig russischen Service zu spueren. Bis "I need your passports and visas" war's ja noch ok auch wenn sie sehr ruppig und kurz angebunden war. Auf meine Frage, wann denn das Schiff faehrt, meinte sie, wir sollen um 19.00 kommen. Ja, soviel wissen wir schon, aber wann faehrt das Schiff denn ab? "Just come at 7", blafft sie. Ooookey. Wir wollen gerade gehen, da fragt sie, ob wir einen Voucher ueber 400 Rubel haben. Haben wir nicht. Hmm. Sie fingert ein bisschen in ihren Unterlagen herum und sagt nichts mehr. Ob wir denn einen Voucher brauchen, frage ich. Ja. Nichts mehr. Wir stehen ein bisschen unsicher da. Was ist jetzt kaputt? Irgendwann schaut sie wieder auf: "It's all." Ja, brauchen wir jetzt keinen Voucher? Sie schnautzt uns an, dass wir ja keinen haben. Aehm... ja eben? Naja, ich frage nochmal "everything ok?" sie blafft ein yes und dann gehen wir halt. Aber eben, wieso sollte sie freundlich sein, schliesslich ist sie die einzige, die Faehrentickets verkauft...

Danach schauten wir unserer Faehre noch ein bisschen beim Ausladen zu. Wenn die von Japan kommt ist sie naemlich vollgestopft von japanischen Autos, die hier verkauft werden. Jede Ecke wird genutzt, auch das Passagierdeck ist vollgestopft, kein Platz mehr, um ein bisschen an der Reeling zu stehen. In Ekaterinburg fielen erstmals viele rechtsgesteuerte Autos auf. In Krasnojarsk waren es dann bestimmt schon die Haelfte. Um Irkutsk der groesste Teil. Und Zwischen hier und Chabarovsk sieht man kaum mehr linksgesteuerte Autos. Russland ist bestimmt eines der einzigen Laender der Welt in dem man im Rechtsverkehr mit rechtsgesteuerten Autos faehrt...

Im Allgemeinen, moechte ich nochmal betonen, sind die Leute allgemein sehr nett (wenn man nicht gerade irgendwelche Tickets fuer oeV oder so kaufen will). Russen kann man z.B. sogar fragen, ob ihre Ware gut ist. Die Chance auf eine ehrliche Antwort ist gross. Ist mir selbst auch schon oft passiert und gestern auch, unser Fahrer, zum Beispiel, wollte sich am Strassenrand eine Wassermelone kaufen (ja, die wachsen hier!). Er fragt den Verkaeufer, ob sie auch gut sind und der zuckt die Schultern und meint: naja, seien halt nur noch die letzten, die er habe. Uebersetzt: nein. Natuerlich kauft der Fahrer keine. Und natuerlich wird der Verkaeufer die Melonen so nie los. Aber so sind sie halt, die Russen.

Ansonsten finde ich es zwar ganz schade, dass es jetzt vorbei damit ist, dass ich mit der Sprache sogut zurecht komme (inzwischen bin ich naemlich wirklich soweit, dass ich alles kriege was ich will, von Vodka empfohlen bis Tabletten gegen Reisekrankheit) aber sonst ist es auch ganz ok, mal wieder aus Russland wegzukommen. Vielleicht koennen in Japan ein paar Leute mehr Englisch und vielleicht sind sie dann an den oeV-Schaltern freundlicher. Und vielleicht sind die Autofahrer nicht ganz so ruecksichtslos. Und dass die Autos so stinken wie hier glaube ich auch nicht, die haben in Japan sicher auch schon was von Katalysatoren gehoert.
Ich bin sehr gespannt auf die japanische Kultur, habe zwar auch ein bisschen Respekt, da man sehr viel falsch machen kann... Benno... naja, der ist leider sehr negativ eingestellt. Ich hoffe, dass ich das noch ein bisschen aendern kann, weil mit der Einstellung kommt es eh nicht gut.

Also dann, in Japan sollte es kein grosses Problem mehr sein, den Blog up-to-date zu halten, da da wohl jedes Hotel Internet hat.

Machts gut, bis bald!!!

Kommentare:

hat gesagt…

Oooch Benno, nur keine negative Einstellung... Nach Japan wäre ich ja fast mitgekommen, das will ja was heissen... (...aber ich hab mich nicht mal zur Erlaubnis der Regierung durchgerungen).

Japan ist sicher cool... viel Spass! Mittlerweile seid ihr ja dort und geniesst Sushi oder sush was.

Marica hat gesagt…

Isch doch sicher voll spanend Japan und die sind sicher fründlich sie lachet doch viiil.